AKTUELL: Neubauplanung

Neubau-Entwürfe, Stand 7. September 2018

Überraschenderweise wurden in einigen Medien um Wochenenden vom 7. September 2018 und auf der Website der ABG-Gruppe eine neue Ansicht des Neubau-Entwurfs veröffentlicht.

Sollte dies dem aktuellen Planungsstand entsprechen, sehen wir eine deutliche Verschlechterung gegenüber der im Mai präsentierten Entwurfsversion. Das visualisierte Gebäude wirkt einfallslos, hat keine Eleganz, es gibt sich als völlig banaler Backsteinklotz. Der Entwurf hat alle Schwächen der Mai-Variante (u.a. die vollkommen belanglose Einbindung der Wohnungen) und viele neue.

Wesentliche Elemente des alten Deutschlandhauses und hochwertige Details des im Mai öffentlich vorgestellten Entwurfs sind weggefallen: Das Band des ersten Obergeschosses, die Fenstergestaltung mit der an Block/Hochfeld angelehnte Gestaltung und vieles mehr.

Der Oberbaudirektor Hoenig, Herr Teherani, Herr Kellner vom Denkmalsamt und der Investor hatten bei der Pressekonferenz im Mai zugesichert, dass der Neubau den „Geist“ und die Tradition des Orginalentwurfs widerspiegeln würde – davon ist ist augenblicklich nichts geblieben. Vor diesem Hintergrund wirkt die Veranstaltung im Mai wie eine bewusste Täuschung zur Beruhigung der Öffentlichkeit

Der Mai-Planungsstand war eine Basis die Gegner des Abrisses, Befürworter einer Rekonstruktion und Denkmalinteressierte als Kompromiss hätten akzeptieren können. Der aktuelle Entwurf ist es bedauerlicherweise nicht.

Gleichzeitig wurden Visualisierungen des Atriums des Gebäudes veröffentlicht. Leider eine schon oft gesehene Idee von Herrn Teherani. Die genannten Höhenangaben für das Atrium lassen für die Wirkung der Baumasse an dieser sensiblen Ecke das schlimmste befürchten.

Frei nach Heinrich Heine: “ Denk ich an die Qualiät des Neubaus, bin ich um den Schlaf gebracht.“

welt.de, 07.09.18, „Umstrittener Neubau: Ein Palmen-Atrium am Hamburger Gänsemarkt“

 

Neubauplanung, Stand 3. Mai 2018

Am 3.Mai 2018 wurden in einer gemeinsamen Pressekonferenz von Oberbaudirektor Höing, Architekt Teherani, des Leiters des Denkmalamts, Herr Kellner, und Vertretern der ABG Gruppe der aktuelle Stand der Planungen für den Neubau präsentiert.

Bilder, O-Töne und Kommentare sind in diesem NDR Betrag zu finden:

NDR Hamburg Journal: Deutschlandhaus wird neu gebaut

Unsere Anmerkungen zum Planungsstand sind folgende:

Leider wurde die Debatte über eine komplette Rekonstruktion, eine Annäherung wie sie jetzt versucht wird, oder einen Erhalt des Bestandsgebäudes nie unter Einbeziehung von Experten und der Öffentlichkeit geführt.

Die während der Pressekonferenz vorgebrachten Argumente für den aktuellen Ansatz sind nachvollziehbar, aber auch für eine komplette Rekonstruktion oder ganz andere Lösungen gibt es sehr gute Argumente.

Die öffentliche Diskussion ist hier sicher nicht zu Ende. Sie hilft der Entwicklung des neuen Deutschlandhauses und sollte bei leider zu erwartenden zukünftige Abrissplänen von historischen Hamburger Gebäuden viel früher stattfinden, und von der Stadt Hamburg selber angestossen werden.

Positiv überrascht hat uns der Einfluss des neuen Oberbaudirektors Franz-Josef Höing: Am 3.5. wurden im Hamburger Abendblatt und in der Mopo (peinlicherweise) frühere Planungsstände als finale Entwürfe gezeigt. Der aktuelle Entwurf stellt eine deutliche qualitative Verbesserung dar. Dies gilt besonders für die Reduktion der Gebäudehöhe um ein Stockwerk und die weitere Annäherung an den Originalentwurf des Deutschlandhauses in den Fensterbändern.

Bei allem grundsätzlichen Respekt für den aktuellen Entwurf gibt es aber noch einige Schwachstellen und Fragen:

Schlimmste Sünde und größte Baustelle ist der vollkommen unmotiviert gestaltete Gebäudeteil – Wohnungen am Valentinskamp. Die Lochfassade erscheint als banaler Appendix und der Übergang zwischen den beiden Gebäudeteilen ist weit von der Eleganz des historischen Gebäudes entfernt.

Eine wichtige Frage ist auch, ob die Erweiterung des Fassaden-Rasters von 5m40cm im historischen auf nun 8m40cm die Proportionen nicht negativ verändert.

Obwohl in der Präsentation immer wieder die Wahrung des Geistes des Block & Hochfeld Entwurfs gefeiert wurde, gibt es bei dem Teherani-Entwurf Elemente, die der klassischen Betonung der Horizontalen widersprechen. Die Höhe der Backsteinbänder soll zugunsten der Fenster mit zunehmender Stockwerkzahl abnehmen. Zusätzlich soll die Breite der Backsteinstützen zwischen den Fenstern abnehmen. Es wurde nicht klar, warum das Büro Teherani nicht anders kann, als die Vertikale doch ein wenig zu betonen?

Weitere wichtige Fragen wie Material, eine mögliche Profilierung der Backsteinbänder und die gesamte Planung des Gebäudekerns sind noch offen.

In der Weiterplanung des Entwurfs ist der Oberbaudirektor gefordert, in seinen Bemühungen um die Qualität die Hamburg und der Umgang mit dem historischen Erbe verdienen, nicht nachzulassen.